Linden, Hannover und die Hochbahnsteige: wird hier mit zweierlei Maß gemessen?
Mahnmal des unbekannten Hochbahnsteigs: der Anbau des Sprengel Museums Foto: Walter Schoendorf
Architekturwettbewerbe sind keine Garantie für gelungene Bauten. Der Anbau des Sprengel Museums hätte ebenso gut auch direkt von der Infra oder der Transtec errichtet werden können. So sieht der Anbau zumindest aus. (Infra und Transtec gehören zur Region Hannover und der Üstra. Sie sind für das Streckennetz und den Bau der Hochbahnsteige verantwortlich.)
Trotzdem: Nachdem nun auch die Limmerstraße endgültig von den Hochbahnsteig-Barrieren bedroht ist, gab es bei uns im Bezirksrat im November 2012 einen Antrag, mit Bürgerbeteiligung und Gestaltungswettbewerb wenigstens sozial- und stadtverträgliche Hochbahnsteige zu errichten.
Der Antrag wurde damals nicht direkt abgelehnt, aber sagen wir mal, halb-elegant auf Eis gelegt. Hier kann die Begründung nachgelesen werden. Kurz gesagt: Die rechtlichen und technischen Anforderungen an einen Hochbahnsteig sind so eng, dass es eigentlich keinen Gestaltungsspielraum dafür gibt. Ob ein Architektenwettbewerb überhaupt möglich ist und Abhilfe schaffen kann, wird in Frage gestellt.
Es dürfte klar sein, dass ich einen Gestaltungswettbewerb für die Hochbahnsteige in der Limmerstraße auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Bezirksrat Linden-Limmer bringen werde.
Und wie sieht es mit den bereits vorhandenen Hochbahnsteigen aus? Schreiben Sie mir, wo die Hochbahnsteige besonders hässlich sind oder wo sie mehr Hindernis als Hilfe sind.
Gestern berichtete die hiesige Lokalpresse vom doch etwas exotischen Demokratieverständnis des Alptekin Kirci: Unser Stadtbezirk Linden-Limmer soll zum SPD-Protektorat erklärt werden. Zitiert wird der Chef des SPD-Stadtverbandes Hannover mit der Aussage "Wir werden uns massiv einmischen, sollte es etwa in Linden zu einem Hinauszögern beim Bau von Hochbahnsteigen kommen". Von "Fundamentalisten" wolle man sich nicht hineinreden lassen. Für die City Hannovers erwarte er allerdings "verträgliche Lösungen" (bei den Hochbahnsteigen, Anm. d. Red.). Willkommen in der Zwei-Klassen-Stadt.
SPD-intern mag sich das mit dem Top-Down-Konzept ja bewährt haben. Für ein Gemeinwesen mit demokratischen Selbstverständnis und gewählter Vertretung nach niedersächsischer Kommunalverfassung passt das eher schlecht. Vielleicht hört Kirci mal seinem Chef Weil bei seiner üblichen 1. Mai-Ansprache zu. Da betont OB Weil ja immer mal gerne, "Hannover sei demokratisch bis auf die Knochen". Mit markigen Sprüchen à la Kirci hat sich die SPD eher bis auf die Knochen blamiert.
Es wäre doch ein großer Schritt in Richtung direkter Demokratie, bei den nächsten Kommunalwahlen würde die Üstra selbst kandidieren. Das würde doch einiges vereinfachen. </satire>
Hier zunächst mal ein Versuch, zumindest technisch einen Überblick über die Diskussion um eine wirklich barrierefreie Niederflurlösung in Hannover zu bekommen. Dazu teste ich hier ein Angebot von Netbreeze.ch, die die Beiträge zu diesem Thema aggregieren und darstellen. Das Interessante dabei: Der unten stehende Chart wird automatisch aktualisiert. Wer also in den kommenden Tagen immer mal wieder diese Seite aufruft (am besten bookmarken ;-) kann verfolgen, wie sich die Diskussion entwickelt.
Mit dem Link unten rechts am Chart lässt sich dann sogar die Detailseite der Auswertung sowie die einzelnen Beiträge aufrufen. Einfach mal testen!